Natur
Ein Junge behauptete, es gäbe
keinen vernünftigen Grund, sich den Strapazen einer Fahrt
auszusetzen. Ich wusste ihm nichts zu entgegnen. Vielleicht sind es
die inneren Gesetzmäßigkeiten, die mich in den Bann der Natur
ziehen. Beispielsweise die Architektur eines Blattes oder das
Muster der Meeresoberfläche. Form, Farbe und Textur einer
Landschaft oder einer Feder geben das Gefühl, etwas Schönes zu
erleben. Schön sind diese Strukturen, weil es scheint, als seien
sie nach einem bestimmten Plan, aufgrund eines verborgenen Sinnes
angeordnet. Kein Mensch weiß, ob etwas Göttliches für diese
Strukturen verantwortlich ist. Zufällig wirkt die Ordnung der Dinge
jedoch nicht. Wenn die runde rote Sonne aufgeht oder das Innere
einer Muschelschale das Licht zerlegt, steigt die Erinnerung auf,
dass ich selbst ein Teil dieser Ordnung bin. Öffne die Hand und
betrachte die Struktur der Innenfläche. Du findest einen Haufen von
Atomen, die sich in einem Zustand höchster Ordnung befinden und
damit schön und sinnvoll erscheinen. Das Bewusstsein der Teilhabe
an der Gesetzmäßigkeit gibt ein Gefühl des Zuhauseseins in der
Welt. Das ist eine Erkenntnis, die im Getriebe der alltäglichen
Wirklichkeit vergessen ist. Wir haben einmal gehört, was uns die
Natur gesagt hat, sind uns aber nicht mehr sicher, dass wir sie
gehört haben und müssen sie deshalb immer wieder hören. Das ist
sicher kein vernünftiger Grund um auf Fahrt zu gehen, aber
vielleicht eine Erklärung des inneren Bedürfnisses dafür.
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